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Schopenhauers Kosmos

 

 Irritabilität.

1) Die Irritabilität als eine Form der Lebenskraft.

(S. Lebenskraft.)

2) Die Irritabilität als Hauptcharakter des Tieres.

(S. Lebenskraft.)

3) Das metaphysische Substrat der Irritabilität und ihr Verhältnis zur Sensibilität.

Die Fähigkeit des Muskels zur Kontraktion heißt Irritabilität, d. h. Reizbarkeit; sie ist ausschließliche Eigenschaft des Muskels, wie Sensibilität ausschließliche Eigenschaft des Nerven ist. Dieser gibt zwar dem Muskel den Anlass zu seiner Kontraktion; aber keineswegs ist er es, welcher, irgendwie mechanisch, den Muskel zusammenzöge, sondern dies geschieht ganz allein vermöge der Irritabilität, welche des Muskels selbsteigene Kraft ist. Das metaphysische Substrat der Irritabilität des Muskels, also der Möglichkeit der Aktuierung des Muskels durch Gehirn und Nerv, ist der Wille, der außerhalb der Kausalkette liegt, und dessen Erscheinung daher, nicht Wirkung, die Muskelaktion ist. In der Irritabilität objektiviert sich der Wille unmittelbar, nicht in der Sensibilität. (W. II, 282 fg.) Der Wille ist in allen Muskelfasern des ganzen Leibes als Irritabilität unmittelbar gegenwärtig, als ein fortwährendes Streben zur Tätigkeit überhaupt. Soll nun aber dieses Streben sich realisieren, also sich als Bewegung äußern; so muss diese Bewegung, eben als solche, irgend eine Richtung haben; diese Richtung aber muss durch irgend etwas bestimmt werden, d. h. sie bedarf eines Lenkers; dieser nun ist das Nervensystem. Denn der bloßen Irritabilität, wie sie in der Muskelfaser liegt und an sich purer Wille ist, sind alle Richtungen gleichgültig; also bestimmt sie sich nach keiner, sondern verhält sich wie ein Körper, der nach allen Richtungen gleichmäßig gezogen wird; er ruht. Indem die Nerventätigkeit als Motiv (bei Reflexbewegungen als Reiz) hinzutritt, erhält die strebende Kraft, d. i. die Irritabilität, eine bestimmte Richtung und liefert jetzt die Bewegungen. (W. II, 285 fg.)

4) Zusammenhang der Irritabilität mit dem Blute.

Die Muskeln sind das Produkt und Verdichtungswerk des Blutes, ja, gewissermaßen nur festgewordenes, gleichsam geronnenes oder kristallisiertes Blut. Die Kraft aber, welche aus dem Blute den Muskel bildete, darf nicht als verschieden angenommen werden von der, die nachher als Irritabilität auf Nervenreiz denselben bewegt. Zudem beweist den nahen Zusammenhang zwischen dem Blut und der Irritabilität auch dieses, dass wo, wegen Unvollkommenheit des kleinen Blutumlaufs, ein Teil des Blutes unoxidiert zum Herzen zurückkehrt, die Irritabilität sogleich ungemein schwach ist, wie bei den Batrachiern. (W. II, 286.)